17. Januar 2026

Grübeln. Wozu ist das nützlich?

Nicht ohne Grund gilt Grübeln als ein Gift der Seele. Eine scharfe These dazu ist: jeder Gedanke, der nicht zu einer Handlung führt, ist ein schädlicher Gedanke. Wir sprechen auch von Zwangsgedanken. Gedanken, die sich immer und immer wieder aufdrängen, uns ablenken, uns Kraft rauben, uns belasten. Zahlreiche Techniken wurden entwickelt, um solche Gedanken zu lösen, zu stoppen oder in eine andere Richtung zu lenken. Alle diese Techniken haben ihren Sinn. Du kannst sie ausprobieren und schauen, was für Dich funktioniert, passt und gut tut.

Mich beschäftigt heute eine andere Frage. Die Frage ist, ob diese Grübeleien zu irgend etwas nützlich sind. Offenbar haben sie sich evolutionär bewährt, sonst hätten wir sie nicht. Es scheint irgend etwas an der Grübelei zu geben, was einen Sinn ergibt.

Zunächst machen wir uns kurz klar, worüber wir reden. Wir grübeln über unser Leben, etwas was uns passiert ist, über einen Verlust, über die Ausweglosigkeit des Daseins und solche Dinge. Wir machen uns ständig Gedanken darüber, ob wir an einer Krankheit leiden oder an gefährlichen Keimen erkranken. Ängste beruhen auf Zwangsgedanken. Wir würden sie am liebsten los haben, abschütteln, wegwerfen. Wir versuchen sie zu betäuben mit Drogen, Alkohol, Konsum, Ablenkung. Zu was ist so etwas gut?

Ich habe bislang nur eine einzige Antwort gefunden: die Grübelei schützt unsere Persönlichkeit vor Veränderung. Als Menschen fühlen wir uns im Grunde richtig so wie wir sind. Mit all' unseren Macken, unseren Stärken, unseren Schwächen, unseren Gewohnheiten, Fähigkeiten und Unfähigkeiten. Das ist auch wunderbar. Stellt euch vor, wir könnten einfach so im Hokuspokus unsere ganze Persönlichkeit auswechseln. Unser bärbeißiger Nachbar wäre plötzlich der freundlichste Mensch oder der freundliche Nachbar wäre plötzlich hasserfüllt und streitsüchtig. Es ist schon ganz gut, dass die Persönlichkeit eine gewisse Stabilität hat und beispielsweise die im Big-Five Persönlichkeitsmodell beschriebenen Eigenschaften Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus ein Leben lang relativ stabil bleiben.

Veränderung löst Angst aus. Jede gravierende Veränderung ist zunächst mit Angst verbunden. Was passiert (mir), wenn sich die äußeren Bedingungen ändern. Klimawandel, politische Lage, familiäre Situation, berufliche Situation, gesundheitliche Situation usw. Unser gesamtes Lebensfeld ist uns vertraut. Wir wissen, was wir daran haben. Selbst eine suboptimale Situation gewährt eine gewisse Sicherheit. Das gilt auch für unser inneres Erleben. Insofern ist es vollkommen Verständlich, wenn wir gewohnte Gedanken denken. Immer und immer wieder. Seien es ängstliche oder schmerzhafte Gedanken. Auch sie sind ein Gerüst der Sicherheit.

Wir wissen weiterhin: akzeptieren wir alles, was in uns und um uns geschieht ohne wenn und aber, so gibt es keinen Schmerz. Der Buddhismus lehrt ein solches Modell. Auch Jiddu Krishnamurti spricht sich für eine solche Geisteshaltung aus. Wir dürfen aber gleich die Frage anschließen: wer ist dazu mental in der Lage? Wer schafft es wirklich, alle Einflüsse ganz und gar urteilsfrei anzunehmen? Wir dürfen akzeptieren, dass wir nicht perfekt sind. Und wir dürfen auch akzeptieren, dass Grübeln einen Sinn hat.

Dennoch: wenn wir immer und immer wieder die gleichen Gedanken wälzen und darunter leiden, ist es Zeit diesem Leid zu begegnen, den Schmerz zu heilen, den Gedanken eine andere Richtung zu geben oder sie zu stoppen.

Dies eröffnet uns den Weg zu einer inneren Entwicklung. Und es ist in Ordnung, dass dieser Weg Zeit braucht. Es gibt viele Ratgeber, im Internet, auf Youtube, in der Buchhandlung, in der Bibliothek, in Zeitschriften und Seminaren, die Dir dabei weiter helfen. Es gibt dabei nicht die eine beste Methode. Manche Menschen finden Halt im Glauben, andere in Meditation oder Kunst. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht Menschen auf diesem Weg ein paar Stunden zu begleiten.

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