30. Dezember 2026

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Psychologen zu gehen

In Deutschland haben wir eine massive Unterversorgung von Psychologen. Die Wartezeiten betragen mitunter ein Jahr oder auch darüber. Das ist eine vor allem für Betroffene unerträgliche Situation. Auch hängt dem Gang zum Psychologen immer noch ein gewissen Stigma an. Mitunter wird von einer Behandlung einer mentalen Erkrankung durch einen Psychologen abgeraten, um die Karriere, z.B. die Verbeamtung nicht zu gefährden. Das sind keine guten Voraussetzungen, um psychische Erkrankungen zu erkennen, zu lindern und zu heilen. Im Gegenteil. Eine Depression fängt nur selten mit einer schweren Depression an. Zunächst ist die Depression unmerklich, dann ist sie lästig. Der Verlauf kann Jahre dauern. Das gleiche gilt für Schizophrenien, für Süchte, eigentlich für alle psychischen Erkrankungen. Wir wissen: je früher eine Behandlung einsetzt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für eine Heilung.

Paare gehen gemäß verschiedenen Untersuchungen und Statistiken sechs bis sieben Jahre zu spät zur Beratung oder Therapie. Auch bei Paaren gilt: die dysfunktionalen Verhaltensweisen manifestieren sich. Viel Leid wäre vermeidbar, wenn sowohl qualifizierte Therapeuten verfügbar wären und diese in Anspruch genommen würden.

Ein paar Zahlen hierzu.

31 Prozent der Deutschen sagen, dass sie aktuell unter Depressionen, Angststörungen, Essstörungen, Zwangsstörungen oder anderen psychischen Erkrankungen leiden.

(AXA 11.3.2024)

Gemäß der Umfrage verzichten 24% von ihnen komplett auf eine Behandlung. Weitere 24% versuchen es mit Selbstbehandlung. Es wählt also nur knapp über die Hälfte derjenigen, die sich selbst als krank empfinden eine Behandlung. Wir gehen von einem weiteren mittleren zweistelligen Prozentsatz aus, die zwar krank sind, sich aber nicht als krank empfinden. Dies ist bei ich-syntonen Erkrankungen häufig der Fall.

Im Jahr 2024 nahmen sich in Deutschland laut Statistik 10.372 Menschen das Leben. Dies sind 0,7% mehr als im Vorjahr und 7,1% mehr als der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Das bedeutet, dass die Zahl der Suizide ansteigt. Die meisten Suizide werden aufgrund von psychischen Erkrankungen begangen. Bei den 10- bis 25jährigen ist Suizid die häufigste Todesursache!

Nach dieser Einleitung wollen wir zu einer Antwort kommen.

Meine Antwort ist klar: sobald es bei Dir oder bei einem nahen Menschen Anzeichen für eine psychische Erkrankung gibt, ist ein guter Zeitpunkt aktiv etwas dagegen zu unternehmen.

Folgende Anlaufstellen stehen zur Verfügung. Zunächst ist der Besuch beim Hausarzt das erste Mittel der Wahl. Lass' Dir dort bitte nicht vorschnell Medikamente verschreiben! Nur wenige Hausärzte kennen sich gut mit psychischen Erkrankungen aus. Wichtig ist eine gründliche körperliche Untersuchung und eine Blutuntersuchung. Wenn dort alles unauffällig ist, lass' Dir eine Überweisung zum Psychologen geben. Du wirst ziemlich sicher nicht beim Psychologen Deiner Wahl sofort einen Termin bekommen. Versuche einen Termin für ein Erstgespräch zu bekommen. Falls Dich der Hausarzt zum Psychiater überweist, dann gehst Du bitte zum Psychiater. Es ist wichtig, dass abgeklärt wird, ob Dein Leiden eine körperliche Ursache hat oder psychisch ist.

Eines ist wichtig: Du bist für Deine Gesundheit verantwortlich. Weil es so wichtig wird und häufig nicht beachtet wird, schreibe ich das nochmal ausführlich. Niemand, also wirklich gar niemand, kann Dir die Verantwortung für Dein Wohlergehen abnehmen. Nicht Deine Lebenspartnerin, nicht das Arbeitsamt, nicht der Arzt, nicht der Psychologe, nicht Deine Eltern, nicht Dein Chef. Warum das so ist, ist auch einfach erklärt. Du bist der Mensch, der den größten Einfluss auf Deine Psyche und Dein Wohlergehen hat. Falls das einmal nicht so sein sollte, handelt es sich um einen Notfall. Es gilt dies sowohl für das körperliche Wohlergehen als auch für das psychische Wohlergehen. Du entscheidest selbst, ob und wann Du welche Hilfe in Anspruch nimmst. Ich gebe auch zu, dass das nicht ganz so einfach ist und differenziert betrachtet werden muss. Dennoch: es kann Dir niemand die Verantwortung über Dich selbst abnehmen. Wenn Dir zu diesem Thema etwas nicht klar ist, können wir auch gerne darüber sprechen.

Es gibt weiterhin gute Gründe nicht zum Psychologen zu gehen.

Ein Gang zum Psychologen ist beispielsweise dann nicht sinnvoll, wenn Du nichts ändern willst. Und das ist gar nicht so selten. Bei Persönlichkeitsstörungen ist das gar nicht so selten. Auch Abhängigkeitserkrankungen werden von den Betroffenen meist erst im fortgeschrittenen Stadium als Leiden erkannt.

Bei leichten Anzeichen von Störungen ist es ebenfalls nicht sinnvoll zum Psychologen zu gehen. Eine Depression wird erst ab einer Dauer von zwei Wochen als Depression diagnostiziert. Wenn Du merkst, dass etwas nicht stimmt, dann ist zunächst Selbsthilfe der vernünftige Weg. Spüre nach, überlege, was zu dem Stimmungstief führt und steure dagegen an. Versuche Störfaktoren auszuschalten oder zu umgehen. Suche Aktivitäten, die Dir gut tun. Wenn Dein Haustier stirbt oder etwas einschneidendes in Deinem Leben passiert, dann ist es vollkommen normal, dass Du einige Tage, Wochen oder sogar Monate beeinträchtigt bist.

Wenn Du Dich entscheidest fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist es gut und sinnvoll, dass Du genau beschreiben kannst, was die von Dir vermuteten Ursachen sind. Es lässt sich dann leichter eine geeignete Strategie entwickeln, wie Du wieder fit wirst.

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