26. Januar 2026

Die Kunst des traurig seins

Traurig zu sein ist eine Kunst. Vielleicht bist Du gerade traurig? Vielleicht bist Du traurig, weil Du Dein Lebenspartner Dich verlassen hat. Vielleicht bist Du traurig, weil Du nicht mit Deinen Kindern zusammen leben kannst. Vielleicht bist Du traurig, weil Du einen wertvollen Menschen verloren hast.

Ein Verlust kann so wirklich weh tun. Und er tut weh. Bei seelischem Schmerz werden die gleichen Schmerzzentren aktiviert wie bei physischem Schmerz. Wenn Du Dich verbrennst oder wenn Du Zahnschmerzen hast oder ob Du seelischem Schmerz spürst, es ist der gleiche Schmerz. Und ja, Schmerztabletten wirken auch bei seelischem Schmerz. Aber versuche das bitte nicht! Denn Schmerztabletten können abhängig machen.

Du wunderst Dich vielleicht über die Überschrift. Die Kunst des traurig seins. Und ja, traurig zu sein ist eine Kunst. Es ist so wertvoll, dass wir traurig sein können. Denn wenn wir traurig sind, dann heißt das ja auch, dass wir etwas wertvolles erlebt haben. Wir werden kaum traurig sein, wenn wir etwas verlieren, was uns eh lästig war. Und noch etwas anderes: es ist überhaupt so wertvoll, dass wir Trauer spüren können. Dass wir Organe haben, die den Verlust wahrnehmen. Das ist schon ein Wunder an sich. Mach' Dir das bitte einmal klar. Ja, manche Tiere können offenbar auch Trauer empfinden. Ich möchte aber behaupten, dass es eine andere Art von Trauer ist, als die, die wir als Menschen empfinden. Wir müssen das erst einmal offen lassen. Wir dürfen aber sagen, dass die Fähigkeit zu trauern größer ist, je weiter das Wesen entwickelt ist.

Auch hier: Trauer hat offenbar einen evolutionären Sinn. Die Trauer beansprucht unsere mentale Kraft, wir sind weniger leistungsfähig für andere Aufgaben. Wir sind empfindlicher, empfindsamer, sensibler. Uns kommen öfter die Tränen. Wir neigen zur Antriebslosigkeit und zu Depressionen. Und zum Rückzug. Zur Selbstbesinnung. Wir dürfen das nicht nur als Leid begreifen. Wir müssen akzeptieren, dass dies eine natürliche und normale Reaktion ist und uns hilft danach weiter zu leben.

Die Akzeptanz ist ein wichtiger Schritt zur Bewältigung. Genauer gesagt ist die Akzeptanz der entscheidende Schritt hin zur Bewältigung. Wenn wir den Verlust und die Trauer akzeptieren, dann hören wir auf dagegen zu kämpfen. Das ist der Beginn der Liebe zum Leben und zu sich selbst. Nein, wir sind danach nicht automatisch wieder fröhlich und das müssen wir auch gar nicht sein. Und während ich das schreibe, weiß ich genau, wie schwer dieser Schritt ist. Dass es unter Umständen lange dauert, vielleicht dauert es viele Jahre. Auch das ist in Ordnung. Wenn wir mit jedem Schmerz dankbar sind genau für diesen Schmerz, ist es ein sinnvoller Schmerz. Denkt daran: alles, was das Leid mindert und kein neues Leid erzeugt, ist gut und sinnvoll.

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