22. Januar 2026
Gibt es ein psychisches Immunsystem?
Die Frage kann einfach beantwortet werden. Ja, es gibt ein psychisches Immunsystem. Unsere Psyche kann sich selbst heilen und bringt hierfür ganz erstaunliche Mechanismen mit. Einige sind noch nicht verstanden - wie so vieles, was sich im Hirn abspielt.
Wir wollen aber nicht bei einfachen antworten bleiben, sondern etwas weiter in die Tiefe und in die Breite gehen.
Was wir aus Studien, empirischen Beobachtungen und aus eigener Erfahrung wissen, erwirbt sich die Psyche im Laufe des Lebens enorme Fähigkeiten sich selbst zu heilen. Einige Fachleute sprechen von Resilienz. Doch auch das wollen wir differenziert betrachten. Bei kleinen Kindern ist gut zu beobachten, wie die Fähigkeit nach und nach zunimmt sich auf die Umwelt einzustellen. Kleine Kinder äußern ihren Unmut häufig durch Tränen. Das nimmt mit zunehmendem Alter ab. Mehr und mehr sind wir Menschen mit zunehmendem Alter in der Lage uns selbst zu regulieren. Das ist so die allererste Phase, dass sich ein psychisches Immunsystem heranbildet. Und diese Phase ist enorm wichtig. Das hat schon Sigmund Freud erkannt, der die Kindheit in verschiedene Phasen eingeteilt hat. Fähigkeiten, die ein Mensch in der von der Natur vorgesehenen Zeit nicht erlangt, können später nur noch mit größerer Mühe erworben werden, da die Fähigkeiten aufeinander aufbauen. Ganz ähnlich wie beim physischen Immunsystem auch. Ein Kleinkind, das zu wenig Zuwendung erhalten hat und statt dessen Entbehrung und Gewalt erleben musste, hat es ein ganzes Leben lang schwerer mit sich und der Umwelt umzugehen. Es gibt die Möglichkeit Fähigkeiten auch noch später zu erwerben, was auch dafür spricht, dass die menschliche Psyche mit einer guten Portion Selbstheilungskraft ausgestattet ist. Dennoch ist die Wachstums- und Prägungsphase bedeutend für das spätere Leben.
Es gibt beispielsweise die sehr gerechtfertigte Ansicht, dass es sich bei Antriebslosigkeit und depressiven Symptomen um eine gesunde Reaktion handelt. Die Symptome treten häufig reaktiv auf bestimmte Ereignisse auf. Menschen, die psychisch überlastet sind, ziehen sich in der Regel zurück. Sie ziehen sich zurück, um sich orientieren, sich zu besinnen, neu zu Kräften zu kommen. Nichts anderes tut unser Körper, wenn er von einer Infektion befallen wird. Er schwächelt. Man bekommt Fieber und ruht sich im Idealfall dann auch aus. Der Prozess wird Genesung, Gesundwerdung von einer Erkrankung genannt. Bei einem physischen Infekt gilt eine Ruhephase als vollkommen normal. Wir gehen zum Arzt, legen uns ins Bett, trinken Tee, schlafen mehr und kommen so wieder zu Kräften. Bei einem psychischen Infekt tun sich viele Menschen schwer sich eine Ruhephase zu gönnen. “Ich muss doch funktionieren …” - ist ein häufiges Argument.
Eine physische Krankheit können wir auch verschleppen. Wenn wir sie nicht auskurieren, dann kann sich so eine Erkrankung chronifizieren, wie es im Fachjargon heißt. Es bedeutet, dass die Krankheit nicht nur vorübergehend ist sondern sich zu einem dauerhaften Zustand wandelt. Eine einfache Erkältung wird zur Stirnhöhlenvereiterung, teilweise mit gravierenden Folgen für den gesamten Organismus. Bei den psychischen Erkrankungen ist das nicht viel anders.
Es gibt aber einen recht gravierenden Unterschied. Physische Erkrankungen sind weit besser erforscht, als psychische Erkrankungen. Bei physischen Erkrankungen können wir Blutwerte im Labor untersuchen, wir können Abstriche machen oder Fieber messen. Bei den psychischen Erkrankungen können wir fast nur die Phänomene beobachten.
Es gibt weitere Indizien dafür, dass das psychische Immunsystem existiert. Nach traumatischen Ereignissen erlebt die Mehrzahl der Betroffenen ein posttraumatisches Wachstum. Wieder so ein Fachbegriff. Es wird beobachtet, dass diejenigen, die ein Trauma überstanden, bearbeitet und verarbeitet haben, nach einer längeren Zeit die Belastbarkeit höher ist als vor der Belastung. Darauf hat zum Beispiel Viktor Frankl bereits 1963 hingewiesen. Ich setze absichtlich keine Links. Nach Quellen und Belegen könnt ihr selber suchen.
Hier sehen wir den Unterschied zwischen Resilienz und psychischem Immunsystem. Diesen Unterschied müssen wir betrachten. Der Begriff der Resilienz kommt ja aus der Materialphysik und beschreibt, dass ein Material, welches einer bestimmten Belastung ausgesetzt wird, seinen Ursprungszustand wieder annehmen kann. Unsere Psyche kann aber mehr. Sie kann durch eine Belastung wachsen.
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