22. März 2026

Wie Gefühllosigkeit entsteht

Anhedonie oder Gefühllosigkeit ist ein schlimmer Zustand. Er ist häufiger anzutreffen als ihr denkt. Du siehst das den Betroffenen nicht an. Ja, du kannst jahrelang mit einem Betroffenen zusammen leben ohne dass Du etwas davon bemerkst.

Die Auswirkungen sind dramatisch. Sowohl für den Betroffenen selbst als auch für das Umfeld. Viele psychische Störungen haben als Ursache Gefühllosigkeit oder Anhedonie. Ich nenne nur einige: Depression, passive Aggressivität, Narzissmus, Sucht aller Art, Essstörungen, Schlafstörungen, jede Art von psychosomatischen Störungen.

Ich schreibe diesen Beitrag aus tiefster Betroffenheit. Möglicherweise komme ich etwas vom Wege ab. Seht es mir nach. Nehmt von meinen Gedanken, was ihr brauchen könnt.

Meistens hat Gefühllosigkeit seine Wurzeln in der frühesten Kindheit. Emotionale Entbehrung in der Kindheit bildet eine sehr empfindliche Grundlage für die persönliche Entwicklung. Der kleine Mensch lernt nicht, dass seine Gefühle reguliert werden können. In dieser frühen Phase der Kindheit sind wir darauf angewiesen, dass unsere Umwelt uns hilft unsere Gefühle zu regulieren, da wir selbst noch gar nicht in der Lage sind dafür.

Narzisstische Bezugspersonen sind die Grundlage für Anhedonie und Gefühllosigkeit. Narzisstische Bezugspersonen missbrauchen Kinder für ihre eigenen Zwecke. Kinder sind dafür da, die eigene Unvollkommenheit zu befriedigen. Sie müssen sich so verhalten, wie die narzisstische Bezugsperson es erwartet. Sonst ist es kein gutes Kind und muss bestraft werden.

Gewalterfahrung und Trennungen sind ebenfalls Gründe, weshalb sich Gefühllosigkeit und Anhedonie entwickeln kann.

Die in der Kindheit erlernten Verhaltensmuster setzen sich im Erwachsenenalter meist fort. Der Mensch gewöhnt sich bereits in jungen Jahren daran keine Gefühle zuzulassen oder die eigenen Gefühle zu unterdrücken.

Zur Zerreißprobe wird dieses Muster dann in einer Beziehung. Früher oder später gibt es in jeder Beziehungen Herausforderungen, die es notwendig machen die eigenen Gefühle zu erkennen und zu äußern. Das ist auch ganz gut und vernünftig und führt bei gesunden Menschen zum Wachstum. Wer es nie gelernt hat, seine Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken, wird die Gefühle unterdrücken oder gar nicht bemerken. Wenn ihr einen betroffenen Menschen fragt, was er denn gerade fühlt, so wird er antworten: “Nichts!”. Er wird dies auch antworten, wenn er etwas fühlt, da er nicht in der Lage ist dieses Gefühl auszudrücken. Ich habe an dieser Stelle eine dringende Bitte: wenn ihr dies bemerkt, bei euch oder bei einem anderen Menschen. Holt euch Hilfe. Bitte holt euch professionelle Hilfe. Und das meine ich sehr sehr ernst.

Wenn die Anhedonie oder Gefühllosigkeit sich einmal so weit entwickelt hat, wird sie sich immer weiter manifestieren. Und sie wird massiven Schaden anrichten. Sowohl beim betroffenen Menschen als auch im Umfeld.

Jetzt beschreibe ich ein Bild, das mir seit Tagen nicht aus dem Kopf geht.

Legt bitte eure Hand einmal auf eine Oberfläche - egal was es ist. Ihr werdet in der Hand ein Gefühl dieser Oberfläche haben. Sie ist warm oder kalt, glatt oder rau, angenehm oder unangenehm, weich oder hart, feucht oder trocken … wie auch immer. Nun merkt ihr, dass dieses Fühlen unangenehm ist, wie es lästig wird. So ist das mit der Anhedonie auch, wenn Eindrücke nahe kommen. Und es findet dann eine Flucht statt. Erst nur ganz geringfügig. Der betroffene Mensch sucht Abstand von diesem Eindruck. Um das zu simulieren, legt ihr nun ein Blatt Papier zwischen die Oberfläche und eure Hand. Ihr fühlt dann weniger. Dieser Abstand kann ein Glas Wein sein. Oder ein Rückzug ans Händi. Oder dass man sich verstärkt mit der Arbeitsstelle identifiziert. Oder was auch immer. Und das Verhaltenshirn registriert: dieser Rückzug funktioniert. Es entwickelt sich der ganz normale Teufelskreis des selbstschädigenden Verhaltens: ein Gefühl wird unangenehm, es wird Abstand gesucht. Ein weiteres Papierblatt kommt zwischen Umwelt und eigenem Fühlen. Und so geht es immer weiter und weiter. Ein Blatt wird auf das nächste Blatt gelegt. Es dauert nicht lang, da ist der Stapel mehrere Zentimeter dick. An fühlen ist da längst nicht mehr zu denken. Der Mechanismus bleibt bestehen.

Wenn dies in einer Partnerschaft passiert, so ist die Trennung unumgänglich. Ein Partner wird niemals in der Lage sein diesen Mechanismus zu stoppen und eine gesunde Beziehung herzustellen. Bei einer Trennung nimmt der von Anhedonie betroffene Mensch seine ganze Schutzrüstung mit. In die nächste Partnerschaft, ins weitere Leben. Seine Kompensationsstrategien behält er bei.

Liebe Leserin, lieber Leser. Wenn ihr euch in diesem Muster erkennt, dann lasst euch bitte von Profis helfen. Denkt an Erich Kästner: “Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit”. Tut bitte etwas für euch! Ihr seid nicht falsch! Ihr seid goldrichtig. Ihr seit so wertvoll wie Menschen ohne Anhedonie. Ihr seid liebenswert. Ihr seid wunderbar. Ihr habt euch nur eine untaugliche Strategie angewöhnt. Und nein, ein bisschen Yoga zu machen hilft genauso wenig wie noch mehr Alkohol zu trinken oder sich noch mehr mit dem Händi oder der Arbeitsstelle zu identifizieren. Ihr müsst den Weg zu euch finden - zu euren echten Gefühlen. Das ist deshalb wichtig, weil der Mensch nur als Ganzes gesund wachsen kann: geistig, seelisch und körperlich. Das hängt alles zusammen. Das ist auch keine Esoterik sondern knallharte Wirklichkeit.

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